Jeder kennt es, jeder hat’s schon mal in ’ner Klausur erklärt: das Wasserfall-Modell. Alt, starr, irgendwie der Gegenentwurf zu allem Agilen. Aber die Story dahinter? Kennt fast keiner und die ist der eigentliche Grund, warum du das Ding mit Vorsicht genießen solltest.

Kurz und knapp: Wie funktioniert’s?

  • Phasen: Anforderungen → Design → Implementierung → Verifikation → Wartung
  • Reihenfolge: Phase 2 startet erst, wenn Phase 1 zu 100 % fertig ist
  • Richtung: Nur vorwärts, jede Phase genau einmal

Der Name kommt von der Visualisierung: Die Phasen „fallen“ treppenartig von oben links nach unten rechts, die Ergebnisse einer Phase fließen wie Wasser in die nächste.

Die Krux: Das funktioniert nur, wenn sich die Anforderungen während des Projekts nicht mehr ändern. Tun sie’s doch, ist alles, was danach kommt, auf Sand gebaut und genau das ist in der Praxis eher Regel als Ausnahme. Deshalb sind agile Methoden hier meist im Vorteil.

Der Twist: Der „Erfinder“ wollte das Modell gar nicht

Plot Twist: Winston Royce, dessen Paper von 1970 als Ursprung des Wasserfall-Modells gilt, hat den Begriff „Wasserfall“ nie benutzt und genau dieses starre Vorgehen explizit als riskant bezeichnet. Sein eigentlicher Vorschlag war deutlich iterativer, mit Feedback-Schleifen und früher Kundeneinbindung. Klingt verdächtig nach: „Agile“, oder? Vermutlich haben viele einfach nur die simple erste Grafik im Paper kopiert und den Rest überlesen.

Mitnahme für euch: Ein Modell ist nur so gut wie sein Erfolg in der Praxis nicht so gut wie sein Bekanntheitsgrad. Und selbst der Typ, der’s „erfunden“ hat, hätte es euch nicht empfohlen.

Aber für kurze Projekte, wie z.B. einem Abschlussprojekt, meist’s genau das richtige 😉