Kennst du das? Du bekommst eine Aufgabe, willst sofort loslegen und dein Ausbilder bremst dich erstmal aus: „Wie willst du das angehen?“ Nervig? Vielleicht. Aber dahinter steckt System. Und zwar ein ziemlich cleveres.

Kein Pädagogen-Hirngespinst, sondern Arbeitspsychologie

Das Modell stammt nicht aus einem Lehrbuch für Ausbilder, sondern aus der Arbeitspsychologie der 1970er. Winfried Hacker und Walter Volpert fanden raus: Menschen arbeiten am effektivsten, wenn sie eine Aufgabe nicht einfach „machen“, sondern bewusst durchdenken. Von der Idee bis zur Manöverkritik danach. Diese Erkenntnis wurde später eins zu eins in die Berufsausbildung übernommen.

Die 6 Schritte, dein Werkzeug für jede Aufgabe

So läuft eine „vollständige“ Handlung ab:

  • Informieren: Was ist überhaupt gefragt? Selbst recherchieren, nicht alles vorgekaut bekommen.
  • Planen: Wie gehe ich vor? Welche Schritte, welche Reihenfolge?
  • Entscheiden: Meist im Gespräch mit dem Ausbilder: Plan absegnen, Vorgehen festlegen.
  • Ausführen: Jetzt wird’s praktisch. Eigenständig umsetzen.
  • Kontrollieren: Soll-Ist-Vergleich: Hab ich’s richtig gemacht?
  • Bewerten: Was lief gut, was nicht? Und was nimmst du für’s nächste Mal mit?

Klingt erstmal nach Bürokratie. Ist es aber nicht. Es ist einfach der Unterschied zwischen stumpf Anweisungen abarbeiten und selbstständig ein Problem lösen können. Und genau Letzteres erwartet später dein Job von dir.

Der Twist: Es ist ein Kreislauf, kein Einbahnstraßen-Modell

Das Wichtigste kommt zum Schluss: Schritt 6 (Bewerten) ist nicht das Ende. Er liefert die Erkenntnisse für die nächste Runde. Das Modell läuft also nicht linear ab, sondern im Kreis. Du wirst mit jeder Aufgabe ein Stück besser im Strukturieren.

Übrigens: In der AEVO-Prüfung verwechseln viele angehende Ausbilder das Modell mit der „6-Stufen-Methode“. Klingt ähnlich, ist aber nicht dasselbe, falls dein Ausbilder dir das mal als Quizfrage stellt.

Mitnahme für dich: Wenn dein Ausbilder dich erstmal planen lässt statt direkt loslegen zu lassen, sabotiert er dich nicht. Er trainiert genau die Methodenkompetenz, die du in drei Jahren ganz allein brauchst.