Die meisten Menschen behandeln KI wie ein Chatfenster. Sie tippen eine Frage, bekommen eine Antwort, schließen den Tab. Beim nächsten Mal fangen sie wieder bei null an. Das Wissen aus der letzten Session verdampft.

Ich arbeite mittlerweile anders. Ich baue rund um die KI eine kleine Infrastruktur, damit jede neue Session auf vorherigen aufsetzten kann. meine aktuell 4 Bausteine tragen das: Regeln, Skills, Commands und Pläne. Wer sie versteht und trennt, hört auf zu chatten und fängt an zu bauen.

Meine aktuellen vier Bausteine

Regeln sind der Rahmen, der immer gilt. Sie stehen für alles, was die KI über mein Projekt wissen muss, bevor ich überhaupt eine Frage stelle: Konventionen, Sprache, Architektur, NoGo’s. In der Praxis ist das eine Datei, die bei jeder Session automatisch geladen wird. Ich schreibe eine Regel einmal auf und muss sie nie wieder wiederholen. Mitlerweile hab ich aber mehrere 😀

Skills sind wiederverwendbare Fähigkeiten. Ein Skill kapselt einen Ablauf, den ich immer wieder brauche, zum Beispiel „confluence doku schreiben“ oder „streamouts erstellen“ oder „create-new-inputbox“. Die KI zieht den passenden Skill heran, wenn er zur Aufgabe passt, aber meistens gebe ich es beim start der Session schon mit. Ich baue ihn einmal und profitiere in jeder folgenden Session davon.

Commands sind Abkürzungen für wiederkehrende Aufgaben. Wo ein Skill Wissen bereitstellt, löst ein Command eine konkrete Aktion aus, die ich bewusst aufrufe. Statt jedes Mal denselben langen Prompt zu tippen, rufe ich das Kommando auf und die KI weiß, was zu tun ist.

Pläne strukturieren den Weg, bevor die KI loslegt. Bei größeren Aufgaben lasse ich erst einen Plan erstellen, prüfe ihn und gebe ihn dann frei. So verhindere ich, dass die KI in die falsche Richtung rennt und ich am Ende viel wegwerfen muss. Obwohl ich schon mehrfach aus Pläne weggeworfen hab. aber auch hab ich schon öfters Pläne nachgebessert. In der Regel versteht die KI mich nicht und erstellt oft nicht die richtigen Pläne. Wer den erstellten plan also nicht einmal durchließt, ist selber schuld.

Ein wichtiger Unterschied, den viele übersehen: Regeln, Skills und Commands sind persistent. Sie stehen in der nächsten Session automatisch wieder bereit. Ein Plan dagegen ist meist aufgabengebunden. Er lebt in der aktuellen Session. Ich kann ihn als Dokument sichern, meistens nur lokal. Ganz selten schmeiß ich sie auch ins Repro rein. Aber: er wird nicht automatisch neu geladen. Wer das durcheinanderbringt, wundert sich, warum sein „gespeicherter Plan“ beim nächsten Start nicht greift.

Review innerhalb der Session

Ja, Review mit dem Bot. Manchmal muss ich selber lachen. Aber: Ich lese mit. Ich nehme nicht blind, was die KI produziert, sondern prüfe zwischendurch, korrigiere den Kurs und gebe Feedback, solange die Session noch läuft. Ich teste halt viel die App, die er umgebaut hat.

Das ist kein Misstrauen, sondern Handwerk. Je früher ich einen Denkfehler bemerke, desto billiger ist die Korrektur. Ein Review am Ende einer langen Session ist teuer. Viele kleine Reviews während der Arbeit halten die Richtung stabil und die Qualität hoch, auch lösen sich teilweise meine eigenen Denkfehler, weil ich an einige Sachen garnicht gedacht habe.

Der Lebenszyklus einer Session

So sieht mein typischer Ablauf aus, wenn eine Session gut und lang war:

  1. Skill destillieren. War der Ablauf wiederholbar und verallgemeinerbar, mache ich einen Skill daraus. Wichtig: nicht jede lange Session verdient einen Skill. Eine einmalige Sonderaktion gehört ins Archiv, nicht in die Skill-Bibliothek. Die eigentliche Kunst ist die Auswahl, was überhaupt Skill-würdig ist. (oben standen ja schon welche)
  2. Endanwender-Doku schreiben. Zu jedem Ergebnis erstelle ich eine kurze Dokumentation für die, die es später nutzen bzw. ja eh vorstellen muss. Nicht für mich, sondern für den nächsten Menschen. Diese Doku ist oft wertvoller als der Code selbst, weil sie Wissen teilbar macht. Jedes Feature bekommt bei mir eine Doku und wird im Attlasian Ticket verknüpft.
  3. Chat archivieren. Erst danach lege ich die Session ab. Das Wertvolle habe ich extrahiert: die Regel, den Skill, das Command, die Doku. Der Chat selbst ist nur noch ein Beleg, kein Werkzeug. Bisher hab ich nur test Sessions oder falsche Sessions gelöscht.

Warum das den Unterschied macht

Der Effekt ist einfach zu beschreiben: Wissen wird wiederverwendbar statt flüchtig. Jede Session macht die nächste besser. Ich baue nicht jedes Mal von vorne, sondern stehe auf allem, was ich vorher aufgebaut habe. Natürlich nutze ich auch im Claude über übergreifene Memmory (das kann man in den Einstellungen aktivieren). War schon damals bei chatGPT gut und ist immer noch cool.

Wer KI nur als Chat benutzt, bleibt auf dem Niveau eines einzelnen Gesprächs stehen. Wer Regeln, Skills, Commands und Pläne pflegt und dazu sauber reviewt und archiviert, baut sich mit der Zeit ein System, das mit jeder Woche mehr kann. Genau das ist der Unterschied zwischen der KI als Spielzeug und der KI als Werkzeug.