Du hast deine 15 Minuten Präsentation überstanden, die letzte Folie ist durch. Glückwunsch! Aber die Prüfung ist noch nicht vorbei. Jetzt kommt der zweite Teil: das Fachgespräch. Und der hat seine ganz eigenen Spielregeln.
Erstmal: Wasser trinken
Im Ernst. Nach der Präsentation ist dein Mund trocken, dein Puls oben. Nimm dir die paar Sekunden und trink etwas. Das ist keine verlorene Zeit, sondern eine kurze Verschnaufpause, bevor es weitergeht und das wirkt nach außen hin völlig souverän.
Wie läuft das Fachgespräch ab?
Jeder der drei Prüfer stellt dir nun reihum Fragen. Meistens sind das allgemeine Fachfragen aus deinem Ausbildungsbereich, nicht zwingend aus deinem Präsentationsprojekt, aber kommt vor, denn der Gedanke dahinter: Wenn du dein Projekt selbst umgesetzt hast, kannst du projektbezogene Fragen sowieso beantworten. Daher: die Prüfer wollen dein grundlegendes Fachwissen testen.
Wichtig zu wissen: Wenn die Prüfer während deiner Präsentation den Eindruck gewinnen, dass du dein Projekt nicht wirklich selbst gemacht hast, wird gezielter nachgehakt, dann gibt’s deutlich mehr projektspezifische Fragen. Ein guter Grund, dein eigenes Projekt wirklich auswendig zu kennen.
Das Prinzip der Frage-Kaskade
Das Fachgespräch funktioniert anders als ein Quiz mit Einzelfragen. Typischerweise startet ein Prüfer mit einer relativ offenen Frage zu einem Thema. Zum Beispiel zu Datenbanken, SQL, objektorientierter Programmierung oder einem aktuellen Thema wie KI. Deine Antwort wird dann aufgegriffen, und die nächste Frage baut direkt darauf auf. Aus einer Frage werden so schnell drei oder vier Nachfragen, die immer eine Stufe tiefer gehen.
Ein Beispiel für so eine Kette: Du erklärst ein Grundkonzept, der Prüfer fragt nach einer Voraussetzung dafür, dann nach einem Spezialfall, dann nach dem Unterschied zu einem verwandten Begriff. Am Ende bist du oft deutlich tiefer im Thema, als die erste Frage vermuten ließ.
Das heißt für dich: Es reicht nicht, Begriffe auswendig zu lernen. Du solltest wirklich verstehen, warum etwas so funktioniert, wie es funktioniert – sonst brichst du bei der zweiten oder dritten Nachfrage ab.
Welche Themenbereiche kommen typischerweise dran?
Die genauen Fragen unterscheiden sich natürlich von Prüfung zu Prüfung, aber bei der Fachinformatiker-Anwendungsentwicklung tauchen erfahrungsgemäß immer wieder diese Bereiche auf:
- natürlich schreibe ich hier nicht genau die Fragen auf
- einige von euch sind ja eh in einigen Gruppen drin, wo die Fragen dann geteilt werden
- aber keine Sorgen, auch wir haben viele, somit: die Liste, ist lang..
Gerade bei aktuellen Themen wie KI lohnt es sich, ein Grundverständnis mitzubringen. Nicht nur technisch, sondern auch zu rechtlichen Aspekten.
Tipps fürs Fachgespräch
Lieber langsam und strukturiert antworten als hastig und zusammenhanglos. Eine kurze Gedankenpause ist völlig in Ordnung.
Wenn du etwas nicht weißt, sag es ehrlich. Rumlavieren wirkt schlechter, als zuzugeben: „Das weiß ich gerade nicht genau, aber ich vermute…“, und dann eine fundierte Vermutung anzubieten.
Nutze das Whiteboard, wenn es passt. Manche Prüfer bitten dich, etwas aufzuzeichnen oder zu skizzieren z.B. eine Schleifenstruktur oder ein Datenbankschema, etc.. Das ist eine Chance, dein Wissen zu zeigen.
Bleib bei „Sie“. Genau wie in der Präsentation, denn es sind immer noch fremde Personen. Auch wenn das Gespräch lockerer wird als die Präsentation selbst.
Verstehen statt auswendig lernen. Da die Fragen aufeinander aufbauen, bringt dir reines Faktenwissen ohne Verständnis wenig. Übe lieber, Konzepte in eigenen Worten zu erklären.
Fazit
Das Fachgespräch ist im Grunde ein fachliches Vier-Augen-Gespräch zu viert locker im Ton, aber anspruchsvoll im Inhalt. Wer sein Projekt wirklich verstanden hat und die Grundlagen seines Fachbereichs bzw. der Softwareentwicklung sauber drauf hat, kommt hier gut durch. Bereite dich nicht auf einzelne Fragen vor, sondern auf Themengebiete. Die Prüfer werden ohnehin nachhaken, bis sie merken, wie tief dein Verständnis wirklich geht.
Viel Erfolg und vielleicht sieht man sich ja 😉
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